Umgang mit dem Corona-Virus am Arbeitsplatz

Seit vielen Wochen beschäftigt das Corona-Virus die Menschen privat und auch am Arbeitsplatz.

Bis jetzt gab es keinen vergleichbaren Pandemiefall, daher gibt es keine genaue Übersicht darüber, welche Maßnahmen Unternehmen treffen müssen.

Nach Paragraph 618 BGB haben Arbeitgeber ihren Mitarbeitern gegenüber eine Fürsorgepflicht. Sie müssen also gewährleisten, dass alle Mitarbeiter ihre Arbeit im Unternehmen gefahrlos erledigen können. Dazu gehört auch, dass der Arbeitgeber seine Mitarbeiter davor schützt, sich bei erkrankten Kollegen anzustecken.

Daher besteht eine Aufklärungspflicht und die daraus resultierenden möglichen Schutzmaßnahmen.

Es hängt von der jeweiligen individuellen Situation ab, welche Maßnahmen ein Unternehmen konkret ergreifen muss. In folgendem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick, wie der richtige und sichere Umgang mit dem Corona-Virus am Arbeitsplatz aussieht:

1. Hygiene- und Schutzmaßnahmen

Besonders in Unternehmen mit intensivem Menschenkontakt bzw. bei Kontakt mit gefährdeten Personen, muss der Arbeitgeber ausreichende Hygiene- und Schutzmaßnahmen treffen, um seine Arbeitnehmer vor Infektionen zu schützen. Die Einhaltung einer guten Handhygiene und die Vermeidung von Körperkontakt sind sehr wichtig.

Pausen- und Gemeinschaftsräumen sollten gut durchgelüftet werden. Das Tragen von Gummihandschuhen hilft nicht. Medizinisches Fachpersonal trägt diese, um mit Körperflüssigkeiten usw. nicht in Kontakt zu kommen. Davor und danach muss man sich trotzdem gründlich seine Hände desinfizieren. Außerdem vermehren sich Bakterien und Viren durch das feuchte und warme Klima im Handschuh.  Nach aktuellem Forschungsstand vom Robert-Koch-Institut ist das Coronavirus in erster Linie über die Atemwege übertrag bar.

Weitere Hygiene- und Schutzmaßnahmen finden Sie hier

Für MitarbeiterInnen auf Baustellen haben wir eine zusätzliche Information zusammengestellt (Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus auf Baustellen)

2. Schutzmasken

Schutzmasken schützen mindestens das Umfeld vor einer Infektion durch das Coronavirus – wenn nicht auch den Träger selbst. Eine hundertprozentige Garantie besteht zwar selbst bei den professionellsten Masken nicht.

Folgende Schutzmasken-Typen gegen das Coronavirus gibt es im gewerblichen Bereich:

  • Mund-Nasen-Schutz (MNS): Schützt in erster Linie das Umfeld, nicht jedoch den Träger. Dieser Mund-Nasen-Schutz besteht aus mehreren Lagen aus Stoff, Vlies oder Papier.
  • FFP2/FFP3 mit Ventil: Wird von Klinikpersonal gebraucht; Schutz besteht jedoch nur für den Träger
  • FFP2/FFP3 ohne Ventil: Schützt Träger und Umfeld; wird von Klinikpersonal gebraucht

FFP ist die Abkürzung für Filtering Face Piece. Diese Atemschutzmasken besitzen teilweise Filter, halten etwas Raum zwischen Mund und Nase, liegen an den Wangen jedoch eng an. FFP werden in Schutzklasse 2 und 3 eingeteilt: FFP2 filtern 6 Prozent der Atemluft vor Coronaviren, FFP3 sogar bis zu 99 Prozent.

Leider gibt es nicht ausreichend FFP-Masken und das Atmen ist auf Dauer sehr mühsam. Durch die schwierige Handhabung sollte nur geschultes medizinisches Personal, das in direktem Kontakt mit Corona-Infizierten steht, diese verwenden.

Als Alternative verwenden viele jetzt Schals, Halstücher oder selbstgenähten Masken. Hierbei gibt es verschiedene Probleme. Zum einen verliert die selbstgebastelte Schutzmaske ihre Wirkung, sobald sie feucht wird. Dann müsste sie eigentlich gewechselt werden. Zum anderen sollten diese Hilfsmasken während des Tragens nicht mit den Händen berührt werden, um eine mögliche Schmierinfektion zu vermeiden. Die Benutzung im gewerblichen Bereich ist risikobehaftet, weil die Träger nicht vor den Viren geschützt werden und daher sind sie eine rechtliche Grauzone, die zu Haftungsproblemen führen könnten.

3. Desinfektionsmittel

Aufgrund der Lieferengpässe von Desinfektionsmitteln gibt es Ausnahmezulassungen nach Artikel 55 Abs. 1 der Biozid-Verordnung, so dass Apotheken, Unternehmen aus der pharmazeutischen und chemischen Bereichen sowie Personen des öffentlichen Rechts die Herstellung und das Bereitstellen auf dem Markt von zusätzlichen Desinfektionsmitteln ermöglichen.

Das RKI empfiehlt häufiges Händewaschen mit Seife, da dadurch die Covid 19 Erreger auch abgetötet werden.

Bitte beachten Sie, dass die Verwendung von selbstzusammengemischten Desinfektionsmitteln ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz ist.

Zusätzlich raten wir davon ab, Do-it-yourself Reinigungsmittel, die im Internet zu finden sind und auch andere hochprozentige alkoholische Produkte zu verwenden, da die Benutzung im gewerblichen Bereich risikobehaftet und eine rechtliche Grauzone ist, die zu Haftungsproblemen führen könnte.

4. Arbeiten im Homeoffice

Viele Menschen arbeiten bereits im Homeoffice. Dadurch das der Zeitraum im jetzigen Homeoffice-Modus nicht abschätzbar ist, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer trotzdem einen Blick auf die jeweiligen Arbeitssituationen lenken. Wir haben Ihnen Tipps incl. einer Checkliste zusammengestellt, wie Sie einen sicheren Arbeitsplatz auch zu Hause gewährleisten können

5. Krisenkommunikation

Wir empfehlen die Gründung eines Krisenteam für den Notfall. Dem sollten in jedem Fall folgende Personen angehören.

  • Geschäftsführung
  • Personal-/HR-Abteilung
  • Personalvertretung bzw. Mitarbeiter-Vertrauensperson
  • Presse-/PR-Verantwortlicher
  • Arbeitsmediziner
  • ggf. Arbeitspsychologe
  • und andere relevante Personen angehören.

Sorgen Sie bei der Besetzung des Krisenteams für Stellvertreter, da jedes Mitglied selbst vom  

Virus betroffen sein kann. Dieses Krisenteam hat die Aufgabe alle Kontaktdaten von Notruf- und Alarmierungsstellen, Gesundheitsbehörden, Informations-Hotlines, Kriseninterventionsteams und anderen relevanten Hilfseinrichtungen zu sammeln und sich regelmäßig über aktuelle Nachrichten zu informieren und diese an die Mitarbeiter weiterzugeben. Außerdem müssen alle Inhalte im Zusammenhang mit dem Corona-Virus im Unternehmen von Beginn an chronologisch vollständig dokumentiert werden, damit Sie im Bedarfsfall so rasch wie möglich alle Ihre Handlungsaktivitäten darlegen können.  Dabei muss das Unternehmen auf strenge Vertraulichkeitsrichtlinien achten, um interne und externe Falschmeldungen und Indiskretionen zu unterbinden.  Die Unternehmenskommunikation sollte ruhig und sachlich ablaufen.

Zusätzlich empfehlen wir die Vorbereitung von Formularen und Musterschreiben, damit Sie z.B. Meldungen an Gesundheitsbehörden rasch und effektiv durchführen können.

6. Erkrankte Mitarbeiter

Solange keine konkrete Gefährdung im Unternehmen bekannt ist, reichen allgemeine Informationen zur Ansteckungsmöglichkeit, zur Erkrankung und zur Vorbeugung. Sollte sich tatsächlich ein Mitarbeiter infizieren, werden aufgrund der konkreten Gefahr für alle anderen Mitarbeiter konkrete Schutzmaßnahmen nötig. Mitarbeiter sind verpflichtet, Verdachtsfälle und Erkrankungen unverzüglich zu melden. Wir empfehlen den Unternehmen, dass sie intern ein offenes Kommunikationsklima schaffen, damit jeder Mitarbeiter angstfrei über den Verdacht oder die Erkrankung sprechen kann. Dadurch verhindert man das Verheimlichen von Krankheitsfällen.

Eine zentrale Ansprech- und Meldestelle im Unternehmen sollte eingerichtet werden.  

Wird der Krankheitsfall durch Testung/Diagnose bestätigt, müssen weitere Maßnahmen (z.B. Betretungsverbot, Desinfektion, Schließung des Unternehmens …) in Absprache mit den Gesundheitsbehörden getroffen werden. Der Pandemiefall sollte im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung bewertet werden.


Sie haben Fragen oder Unsicherheiten, wie Sie im Unternehmen einen sicheren Arbeitsplatz gewährleisten können?

Gerne helfen wir Ihnen bei der Erstellung von Hygiene- und Pandemieplänen, sowie der Erweiterung der Gefährdungsbeurteilung. Für verschiedene Kunden haben wir zum Beispiel diese Aushänge erstellt. Auch die Beschaffung von Hygienemitteln über unsere Kooperationspartner ist möglich.

Bitte beachten Sie, dass der Artikel auf Wissensstand vom 15. April 2020 ist und am 20. April akutalisiert wurde. Aktuelle Informationen finden Sie hier: https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/Coronavirus.html und https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Schwerpunkte/sars-cov-2-arbeitsschutzstandard.pdf?__blob=publicationFile&v=1&fbclid=IwAR0ri-rMcBF0F2UYZvm0f5oOXY-Noqz4d2kGqqGVJ0yMoKrlVRTQic8ynaw

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