Corona-Virus in Kindertagesstätten und Tagespflegepersonen

Kindertagesstätten und Tagespflegepersonen: Umgang mit dem Corona-Virus

Das Corona-Virus beschäftigt seit vielen Wochen kleine und große Menschen, egal ob es privat, in der Kindertageseinrichtung, Tagespflege oder auch an anderen Arbeitsplätzen ist.

Bis jetzt gab es keinen vergleichbaren Pandemiefall, daher gibt es keine genaue Übersicht darüber, welche Maßnahmen Kindertagesstätte und Tagespflegepersonen treffen müssen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den notwendigen Maßnahmenempfehlungen, die Kindertageseinrichtungen und Tagespflegepesonen treffen sollten. Informationen für andere Branchen finden Sie hier:

Nach Paragraph 618 BGB haben Arbeitgeber ihren Mitarbeitern gegenüber eine Fürsorgepflicht. Sie müssen also gewährleisten, dass alle Mitarbeiter ihre Arbeit im Unternehmen gefahrlos erledigen können. Dazu gehört auch, dass der Arbeitgeber seine Mitarbeiter davor schützt, sich bei erkrankten Kollegen anzustecken. Daher besteht eine Aufklärungspflicht und die daraus resultierenden möglichen Schutzmaßnahmen.

Zusätzlich haben die Kindertagesstätten und Tagespflegepersonen eine Fürsorgepflicht gegenüber den betreuenden Kindern. Vor allem wenn die Menge der betreuenden Kinder in den nächsten Wochen wieder ansteigt, gibt es einige Hygienepunkte zu beachten.

Allerdings hängt es auch von der jeweiligen individuellen Situation ab, welche Hygiene- und Schutzmaßnahmen Kindertagesstätten und Tagespflegepersonen konkret ergreifen muss. In folgendem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick, wie der richtige und sichere Umgang mit dem Corona-Virus aussieht:

1. Hygiene – und weitere Schutzmaßnahmen…

1.1. … für die Mitarbeiter

Besonders in Unternehmen mit intensivem Menschenkontakt bzw. bei Kontakt mit gefährdeten Personen, muss der Arbeitgeber ausreichende Hygiene- und Schutzmaßnahmen treffen, um seine Arbeitnehmer und die Kinder bzw. ihre Familien vor Infektionen zu schützen. Die Einhaltung einer guten Handhygiene, Husten- und Niesetikette und die Vermeidung von Körperkontakt sind sehr wichtig.

Pausen- und Gemeinschaftsräumen sollten gut durchgelüftet werden. Das Tragen von Gummihandschuhen hilft nicht. Medizinisches Fachpersonal trägt diese, um mit Körperflüssigkeiten usw. nicht in Kontakt zu kommen. Davor und danach muss man sich trotzdem gründlich seine Hände desinfizieren. Im Handschuh vermehren sich die Bakterien und Viren durch das feuchte und warme Klima.  Nach aktuellem Forschungsstand vom Robert-Koch-Institut ist das Coronavirus in erster Linie über die Atemwege übertrag bar. Besprechen Sie mit den Mitarbeitern, ob es Risikogruppen innerhalb des Teams gibt und wie diese besonders geschützt werden kann! Mitarbeiter aus einer Risikogruppe sollten nicht in der Notbetreuung eingesetzt werden (Empfehlungen des RKI beachten). Hier finden Sie Tipps, für den sicheren und gesunden Arbeitsplatz im Homeoffice. Mitarbeiter mit erkennbaren Symptomen (auch leichtes Fieber, Erkältungsanzeichen, Atemnot) müssen Arbeitsplatz verlassen bzw. zu Hause bleiben, bis der Verdacht ärztlicherseits aufgeklärt ist.

Sowohl das Arbeitsschutzgesetz als auch die DGUV Vorschrift „Grundsätze der Prävention“ verpflichten den Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung incl. die Umsetzung zusätzlicher Infektionsschutzmaßnahmen für Beschäftigte bzw. Versicherte, d. h. auch für Kinder durchzuführen.  Dadurch wird die von Sicherheit und Gesundheit in der Kindertagesstätte gewährleistet.   

1.2 … in der Kindertagesstätte / Tagespflege

Bitte überprüfen Sie Ihren Hygieneplan und passen diesen gegeben falls an. Weitere Hygiene- und Schutzmaßnahmen sind:

  • Hinweisschilder aufhängen (evtl. auch in anderen Sprachen)
  • alle Touchpoints wie Türgriffe, Handläufe etc. dreimal täglich desinfizieren (mit dem laut Hygieneplan empfohlenen Desinfektionsmittel)
  • Desinfektion der Hände beim Betreten der Einrichtung
  • Regelmäßiges, intensives Lüften der Räumlichkeiten
  • Verstärkter Fokus auf dem spielerischen Üben des Händewaschens mit den Kindern
  • Die Gruppe sollte eine maximale Größe von 5 – 10 Kindern haben. Gruppenwechsel sind nicht möglich.
  • Die Gruppe wird von festen Erzieherinnen und Erziehern betreut. Wechsel sind nicht möglich.
  • Stofftiere und Kuscheldecken sollten nicht gemeinsam verwendet werden.
  • Auch bei Spielzeug gilt in der Regel die tägliche Reinigung. Bei Verschmutzung sind die Spielzeuge sofort zu reinigen. Besonders zu behandeln sind Spielzeuge und Materialien für Säuglinge – diese sind täglich zu reinigen. 
  • Zugangsbeschränkung: Damit Sie genau wissen, wer den Kindergarten bzw. die Tagespflege betritt, empfehlen wir, dass das zu betreuende Kind direkt am Haupteingang abgeben wird. Dadurch begrenzen Sie den Personenkreis und Sie können im Falle einer Infektion die entsprechenden Personen zügig informieren.
  • Wenn das aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist, sollten die Eltern Abstandsregeln von 1,50 m beim Bringen und Abholen der Kinder einhalten. Hierzu können Markierungen auf dem Boden der Einrichtung angebracht werden oder Schilder aufgehangen werden.
  • Achten Sie auf eine tägliche Dokumentation der Kontaktpersonen, auch Handwerker oder andere Dienstleister. Notieren Sie deren Namen und die Firma. Dadurch können Sie im Fall eines Corona-Verdachts, die entsprechenden Personen zügig informieren und dem Gesundheitsamt weitergeben. Bitte beachten Sie den Datenschutz. Durch das Notieren hantieren Sie mit personenbezogenen Daten. Lassen Sie diese nicht offen liegen und vernichten Sie diese nach 6 Monaten wieder.
  • Personen, egal ob Kinder oder die Begleitpersonen mit erkennbaren Symptomen (leichtes Fieber, Erkältungsanzeichen, Atemnot) dürfen die Einrichtung nicht betreten.

2. Schutzmasken

Schutzmasken schützen mindestens das Umfeld vor einer Infektion durch das Coronavirus – wenn nicht auch den Träger selbst. Eine hundertprozentige Garantie besteht zwar selbst bei den professionellsten Masken nicht.

Folgende Schutzmasken-Typen gegen das Coronavirus gibt es im gewerblichen Bereich:

  • Mund-Nasen-Schutz (MNS): Schützt in erster Linie das Umfeld, nicht jedoch den Träger. Dieser Mund-Nasen-Schutz besteht aus mehreren Lagen aus Stoff, Vlies oder Papier.
  • FFP2/FFP3 mit Ventil: Wird von Klinikpersonal gebraucht; Schutz besteht jedoch nur für den Träger
  • FFP2/FFP3 ohne Ventil: Schützt Träger und Umfeld; wird von Klinikpersonal gebraucht

FFP ist die Abkürzung für Filtering Face Piece. Diese Atemschutzmasken besitzen teilweise Filter, halten etwas Raum zwischen Mund und Nase, liegen an den Wangen jedoch eng an. FFP werden in Schutzklasse 2 und 3 eingeteilt: FFP2 filtern 6 Prozent der Atemluft vor Coronaviren, FFP3 sogar bis zu 99 Prozent.

Leider gibt es nicht ausreichend FFP-Masken und das Atmen ist auf Dauer sehr mühsam. Durch die schwierige Handhabung sollte nur geschultes medizinisches Personal, das in direktem Kontakt mit Corona-Infizierten steht, diese verwenden.

Als Alternative verwenden viele jetzt Schals, Halstücher oder selbstgenähten Masken. Hierbei gibt es verschiedene Probleme. Zum einen verliert die selbstgebastelte Schutzmaske ihre Wirkung, sobald sie feucht wird. Dann müsste sie eigentlich gewechselt werden. Zum anderen sollten diese Hilfsmasken während des Tragens nicht mit den Händen berührt werden, um eine mögliche Schmierinfektion zu vermeiden. Die Benutzung im gewerblichen Bereich ist risikobehaftet, weil die Träger nicht vor den Viren geschützt werden und daher sind sie eine rechtliche Grauzone, die zu Haftungsproblemen führen könnten.

3. Desinfektionsmittel

Aufgrund der Lieferengpässe von Desinfektionsmitteln gibt es Ausnahmezulassungen nach Artikel 55 Abs. 1 der Biozid-Verordnung, so dass Apotheken, Unternehmen aus der pharmazeutischen und chemischen Bereichen sowie Personen des öffentlichen Rechts die Herstellung und das Bereitstellen auf dem Markt von zusätzlichen Desinfektionsmitteln ermöglichen.

Das RKI empfiehlt häufiges Händewaschen mit Seife, da dadurch die Covid 19 Erreger auch abgetötet werden. Bitte beachten Sie, dass die Verwendung von selbstzusammengemischten Desinfektionsmitteln ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz ist. Zusätzlich raten wir davon ab, Do-it-yourself Reinigungsmittel, die im Internet zu finden sind und auch andere hochprozentige alkoholische Produkte zu verwenden, da die Benutzung im gewerblichen Bereich risikobehaftet und eine rechtliche Grauzone ist, die zu Haftungsproblemen führen könnte. Achtung Sprühdesinfektion ist ungeeignet.

4. Corona-Krisenkommunikation in der Kita

Wir empfehlen die Gründung eines Krisenteam für den Notfall. Dem sollten in jedem Fall folgende Personen angehören.

  • Träger
  • Leitung
  • Beschäftigtenvertretung,
  • Elternvertretung,
  • Betriebsarzt
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit

Sorgen Sie bei der Besetzung des Krisenteams für Stellvertreter, da jedes Mitglied selbst vom Virus betroffen sein kann. Dieses Krisenteam hat die Aufgabe alle Kontaktdaten von Notruf- und Alarmierungsstellen, Gesundheitsbehörden, Informations-Hotlines, Kriseninterventionsteams und anderen relevanten Hilfseinrichtungen zu sammeln und sich regelmäßig über aktuelle Nachrichten zu informieren und diese an die Mitarbeiter weiterzugeben. Außerdem müssen alle Inhalte im Zusammenhang mit dem Corona-Virus im Unternehmen von Beginn an chronologisch vollständig dokumentiert werden, damit Sie im Bedarfsfall so rasch wie möglich alle Ihre Handlungsaktivitäten darlegen können.  Dabei muss das Unternehmen auf strenge Vertraulichkeitsrichtlinien achten, um interne und externe Falschmeldungen und Indiskretionen zu unterbinden.  Die Unternehmenskommunikation sollte ruhig und sachlich ablaufen. AlsTagespflegeperson empfehlen wir, dass Sie sich mit dem örtlichen Jugendamt und Gesundheitsamt absprechen.

Zusätzlich empfehlen wir die Vorbereitung von Formularen und Musterschreiben, damit Sie z.B. Meldungen an Gesundheitsbehörden rasch und effektiv durchführen können.

5. Erkrankte Mitarbeiter / erkranktes Kind

Solange keine konkrete Gefährdung bekannt ist, reichen allgemeine Informationen zur Ansteckungsmöglichkeit, zur Erkrankung und zur Vorbeugung. Sollte sich tatsächlich ein Mitarbeiter oder ein Kind infizieren, werden aufgrund der konkreten Gefahr für alle anderen Mitarbeiter und Kinder konkrete Schutzmaßnahmen nötig. Mitarbeiter sind verpflichtet, Verdachtsfälle und Erkrankungen unverzüglich zu melden. Wir empfehlen, dass Sie intern ein offenes Kommunikationsklima schaffen, damit jeder Mitarbeiter angstfrei über den Verdacht oder die Erkrankung sprechen kann. Dadurch verhindert man das Verheimlichen von Krankheitsfällen.

In Kindertagesstätten sollte eine zentrale Ansprech- und Meldestelle eingerichtet werden.  Wird der Krankheitsfall durch Testung/Diagnose bestätigt, müssen weitere Maßnahmen (z.B. Betretungsverbot, Desinfektion, Schließung des Unternehmens …) in Absprache mit den Gesundheitsbehörden getroffen werden. Der Pandemiefall sollte im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung bewertet werden.

Solange keine konkrete Gefährdung bekannt ist, reichen allgemeine Informationen zur Ansteckungsmöglichkeit, zur Erkrankung und zur Vorbeugung. Sollte sich tatsächlich jemand infizieren, werden aufgrund der konkreten Gefahr für alle Anderen konkrete Schutzmaßnahmen nötig. Mitarbeiter sind verpflichtet, Verdachtsfälle und Erkrankungen unverzüglich zu melden. Wir empfehlen, dass Sie intern ein offenes Kommunikationsklima schaffen, damit jeder Mitarbeiter angstfrei über den Verdacht oder die Erkrankung sprechen kann. Dadurch verhindert man das Verheimlichen von Krankheitsfällen.


Sie haben Fragen oder Unsicherheiten, wie Sie die Sicherheit und Gesundheit in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege gewährleisten können?

Gerne helfen wir Ihnen bei der Erstellung von Hygiene- und Pandemieplänen, sowie der Erweiterung der Gefährdungsbeurteilung. Für verschiedene Kunden haben wir zum Beispiel diese Aushänge erstellt. Auch die Beschaffung von Hygienemitteln über unsere Kooperationspartner ist möglich.

Bitte beachten Sie, dass der Artikel auf Wissensstand vom 04. Mai 2020 erstellt wurde.  Aktuelle Informationen finden Sie hier: 

https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/Coronavirus.html

und

https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Schwerpunkte/sars-cov-2-arbeitsschutzstandard.pdf?__blob=publicationFile&v=1&fbclid=IwAR0ri-rMcBF0F2UYZvm0f5oOXY-Noqz4d2kGqqGVJ0yMoKrlVRTQic8ynaw

https://publikationen.dguv.de/praevention/allgemeine-informationen/3812/coronavirus-sars-cov-2-empfehlungen-fuer-kindertageseinrichtungen-und-kindertagespflege

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